Das Jetzt

Die Gefühle die ich jeden Tag mit mir trage sind manchmal unerträglich. Sicher, mag man sagen 'ja, es gibt schlimmeres als eine zerbrochene Beziehung und es schwimmen noch viele Fische im Wasser'.Sicher, ergibt schlimmeres, aber für mich ist es das schlimmste. Ein Haus ohne Liebe. Eine Beziehung ohne Liebe. Ein weiteres Kind, ohne Liebe. Wir stürzen uns gleichermaßen auf Helene und schenken ihr Aufmerksamkeit. Manchmal gibt es Tage, da halt ich es kaum aus. Da möchte ich weg. Ich fühle mich überflüssig und nur als die Mutter, von den Kindern, geduldet. Helene liebt ihren Vater sehr. Der Gedanke, sie lebt bei ihm, nach unserer Trennung, der macht mich verrückt. Es steht aktuell nicht im Raum sich zu trennen, aber es wird nicht ewig so weiter gehen. Er sagt, wenn mich etwas bedrückt, soll ich mit ihm reden. Aber ich kann nicht. Ich habe schlichtweg Angst. Nicht vor Fragen, aber vor den Antworten, den Reaktionen. Ihm geht es psychisch nicht so gut, und ich denke sofort es ist wegen mir! Manche Tage kann ich einfach nur weinen. Aber dann reiße ich mich zusammen, weil keiner mit einer permanenten Heulsuse zusammen sein möchte.Wo fängt man da an, wo hört man auf. Wie lang hält man das aus? Ich bete so oft, das mit der Bärtige zu sich holt. Das ich das alles nicht erleben und ertragen muss. Ich kann bis heute nicht verstehen wo seine Gefühle hin sind. Hatte er sich doch so sehr in dieses kleine Flittchen verliebt? Bereut er es, zurück gekommen zu sein. Ich wünschte mir so oft, das ich nicht mit ihm so weit gegangen wäre. Ich liebe mein Kind, bzw. meine Kinder mehr als alles andere, aber das macht es halt nicht einfacher. Ohne sie wäre ich weg, unwiederbringlich weg für ihn. Jetzt bin ich abhängig, in jeder Scheiss Hinsicht. Ich versuche jeden Tag mein Glück wieder zu finden. Ich sehe ihn an und er ist einfach nicht mehr der Mann. Wie reden zwar miteinander, aber nicht über das wesentliche. Einfach weil ich keine Kraft habe. Er sagt schon lang nicht mehr, das er mich liebt. Ich würde es ihm so gern so oft sagen, aber ich Trau mich nicht. Am Abend sitzen wir zusammen auf der Couch, wie in einer WG. Ich schaff es einfach nicht, mich an ihn zu kuscheln, weil ich Angst hab weg gestoßen zu werden.Wahrscheinlich wäre es das Beste einfach zu gehen. Aber wohin, womit? Es ist nicht so einfach wie es sich aussprechen lässt. Ich habe nichts mehr. Kein Geld, kein Job, keine Möbel...nichts! Ich weiß nicht, warum es so schwierig ist. Zumal ich weiß, das er mir ohne mit der Wimper zu zucken wieder weh tun wird. Es interessiert ihn einfach nicht. Ich versuche mich teilweise selbst zu beruhigen und mir zu sagen, das ich nach der Elternzeit einen Job brauch und danach alles besser wird. Aber wird es das? Zwei Kinder nimmt er mir nicht. Er kommt allein kaum mit Helene zurecht. Aber eigentlich ist es das nicht, was ich möchte.Meine spiessige Vorstellung war, mit ihm, mit Sebastian vor unserem Haus glücklich zu sitzen, auf einer Holzbank und auf unsere Kinder und Enkelkinder zu warten. Und uns anzusehen und zu wissen, alles richtig gemacht zu haben. Es ist wohl zu romantisch..und nicht für mich bestimmt. Das schmerzt! Es schmerzt jeden Tag aufs neue zu spüren, das man nur mit mir zusammen ist, um die Familie zusammen zu halten.Das Leben neben mir- es ist nicht das, was man lebenswert nennen kann, geschweige denn, was man leben möchte. Es zeigt, wie ich lebe, und auch, wie zuwider mir das eigentlich ist.

18.1.16 20:56

Letzte Einträge: 2014- Die Kehrtwende, Das erste Oktoberwochenende, Der 10.12.2014, Das neue Jahr begann, Die Rückrückkehr

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